Frankreich zählt zu den beliebtesten Reisezielen für Familien in Europa – und das liegt nicht nur an Atlantikstränden, der Provence oder den großen Freizeitparks. Familienfreundlichkeit zeigt sich vor allem im Alltag: in einer Infrastruktur, die auf Kinder eingestellt ist, in konkreten Vergünstigungen für Familien und in einer jahrzehntelangen Familienpolitik, die bis heute spürbar ist. Wer diese Details kennt, kann seinen Aufenthalt deutlich entspannter planen.
In französischen Restaurants gehören Kinder selbstverständlich dazu. Ein „menu enfant“ mit kleineren Portionen und Preisen zwischen 8 und 12 Euro gehört fast überall zur Karte, Hochstühle sind Standard. Diese entspannte Grundhaltung macht spontane Restaurantbesuche mit Kindern unkomplizierter als in vielen anderen Ländern.
Besonders die Regionen an der Westküste sind auf Familien zugeschnitten. Wer einen Aufenthalt im Familienurlaub Poitou-Charentes plant, findet flache Küstenabschnitte, durchgehende Radwege und mit der Île de Ré und Fouras zwei Ziele, die abseits der großen Touristenströme liegen, aber trotzdem gut mit Kinderwagen und Fahrrad erreichbar sind.
Disneyland Paris ist bekannt, aber der Puy du Fou in der Vendée ist für Familien oft der spannendere Tipp: ein Historienpark mit Live-Shows statt Fahrgeschäften. Wer hinfährt, sollte drei Dinge wissen: Die bekannten Shows wie „Les Chevaliers de la Table Ronde“ sind vormittags deutlich leerer als am Nachmittag, der kostenpflichtige Emotion Pass (rund 24 Euro pro Person) erspart mit kleinen Kindern viel Warterei, und wetterfeste Kleidung gehört in den Rucksack, da bei jedem Wetter gespielt wird. Für einen fokussierten Kurzbesuch – etwa ein bis zwei Tage – eignen sich die Angebote für einen Kurzurlaub mit Kindern bei Ab in den Urlaub, mit denen sich ein Wochenende gezielt um einen Parkbesuch herum planen lässt.
Abseits der Parks überzeugt die Landschaft: die Alpen, die vulkanische Auvergne und die Lavendelfelder der Provence bieten leichte Wanderungen und Radtouren, bei denen Kinder die Umgebung auf eigene Faust entdecken können.
Croissants zum Frühstück, Crêpes am Nachmittag, dazu regionale Spezialitäten, die von Region zu Region wechseln – die französische Küche bietet auch jungen Gästen viel Abwechslung. Auf Wochenmärkten lohnt es sich, gezielt nach kleinen Portionen oder Verkostungen zu fragen; die meisten Marktstände sind darauf eingestellt. Wer speziell mit kleineren Kindern unterwegs ist, findet in unserem Ratgeber zum Familienurlaub mit kleinen Kindern praktische Hinweise zu Unterkunft und Tagesplanung.
Frankreichs Familienfreundlichkeit hat einen politischen Unterbau, der seit den 1930er-Jahren gewachsen ist. Zwei Instrumente prägen den Alltag französischer Familien bis heute: der „quotient familial“, der die Einkommensteuer nach Kinderzahl staffelt, und die Familienkasse CAF, die ab dem zweiten Kind Familiengeld zahlt. Diese Förderung hat mit dazu beigetragen, dass Frankreich über viele Jahre die höchste Geburtenrate in der EU hatte – wobei die Rate zuletzt, wie in fast ganz Europa, auf den niedrigsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg gesunken ist. Ein Blick auf die Entwicklung der Familienpolitik in Frankreich zeigt trotzdem, wie unterschiedlich europäische Länder das Thema angehen und warum Familien in Frankreich im Alltag spürbar mitgedacht werden.
Ein paar konkrete Regelungen erleichtern den Aufenthalt spürbar:
Bei der Bahn (SNCF) reisen Kinder unter 4 Jahren auf dem Schoß kostenlos; wer einen eigenen Sitzplatz möchte, zahlt im TGV eine Bambini-Pauschale von 9 Euro (bei OUIGO 5–8 Euro). Kinder von 4 bis 11 Jahren erhalten mit der Carte Avantage 60 Prozent Rabatt, Familien mit drei oder mehr Kindern können zusätzlich die Carte Familles Nombreuses nutzen. Für Kinder, die allein reisen, gibt es an Wochenenden und in den Ferien den Begleitservice JUNIOR & Cie.
In staatlichen Museen ist der Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 in der Regel kostenlos, für EU-Bürger zwischen 18 und 25 Jahren ermäßigt.
Ein Insider-Tipp für die Reiseplanung: Frankreich teilt seine Winter- und Frühjahrsferien in drei Zonen (A, B, C) auf, die zu unterschiedlichen Terminen liegen. Wer die Zone kennt, in der man selbst nicht wohnt, kann Ferienorte oft außerhalb der jeweiligen Stoßzeiten besuchen – Unterkünfte sind dann leichter zu bekommen und günstiger.
Jede Region hat ihren eigenen Charakter: die Bretagne mit rauen Küsten und Sagenwelten, das Elsass mit seinen Fachwerkstädten, der Süden mit Wärme und Lavendelfeldern, die Berge mit Aktivurlaub. Für jede Jahreszeit und jedes Alter der Kinder lässt sich so ein passendes Ziel finden.
Frankreichs Familienfreundlichkeit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis aus kultureller Offenheit gegenüber Kindern, konkreten finanziellen und praktischen Erleichterungen und einer Landschaft, die von der Küste bis ins Gebirge reicht. Wer sich vorab mit ein paar dieser Details – vom richtigen Bahnticket bis zur passenden Ferienzone – auseinandersetzt, kommt mit deutlich weniger Planungsaufwand zu einem entspannten Familienurlaub in Frankreich.