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Ostern in Frankreich

Ostern in Frankreich, auf welche Weise Sie am besten Ostern in Frankreich genießen können. Interessante Brauchtümer und Infos.

Ostern – auf Französisch Pâques – ist nach Weihnachten das wichtigste christliche Fest in Frankreich. Die Osterferien sind für viele Familien eine perfekte Zeit zum Reisen, und Frankreich bietet dabei eine besonders reiche Mischung aus alten Bräuchen, regionalen Spezialitäten und frühlingshafter Lebensfreude. Wer zu Ostern nach Frankreich reist, erlebt ein Land, das dieses Fest auf seine ganz eigene, unverwechselbare Art feiert – mit fliegenden Glocken statt Osterhasen und Lammkeule statt Osterbraten.

Das genaue Datum variiert jedes Jahr: Ostern wird am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert, also zwischen dem 22. März und dem 25. April. So wurde es bereits beim Konzil von Nicäa im Jahr 325 n. Chr. festgelegt.

Wer bringt die Ostereier in Frankreich? Die fliegenden Glocken

Wer zum ersten Mal Ostern in Frankreich erlebt, wundert sich: Die Kirchenglocken schweigen. Vom Gründonnerstag bis zum Ostersonntag verstummen in ganz Frankreich die Glocken – als Zeichen der Trauer um den gekreuzigten Jesus Christus.

Den Kindern wird eine wunderschöne Geschichte erzählt: Die Glocken fliegen am Gründonnerstag nach Rom, um sich vom Papst segnen zu lassen. Auf dem Rückflug nach Frankreich verlieren sie dabei ihre mitgebrachten Schätze – Schokoladeneier, Glocken und Fische fallen aus den Lüften in die Gärten der Kinder. Am Ostersonntag läuten die Glocken dann wieder, und damit beginnt die Chasse aux œufs – die große Ostereiersuche.

Diese Tradition erklärt auch, warum die typischen französischen Osterchocoladen anders aussehen als in Deutschland: Statt des Osterhasen dominieren Glocken mit Flügeln, Hühner und Fische die Schaufenster der Bäckereien und Chocolatiers. Die Fischform hat dabei einen biblischen Hintergrund – sie erinnert an das Wunder der Brotvermehrung und an das frühe christliche Symbol des Fisches.

Ostersüßigkeiten in Frankreich: mehr als nur Schokoladeneier

In den Wochen vor Ostern verwandeln sich die Auslagen der französischen Chocolatiers in wahre Kunstgalerien. Neben den klassischen Schokoladeneiern finden sich:

  • Glocken aus Schokolade (cloches de Pâques), oft mit Flügeln – die bekannteste französische Osterform
  • Fische und Meerestiere (fritures de Pâques) – kleine Schokoladenfiguren mit religiösem Symbolgehalt
  • Osterhühner (cocottes) – ebenfalls aus Schokolade, regional weit verbreitet
  • Bemalte Eier – besonders im Elsass und in Lothringen eine lebendige Tradition

Der Lindt-Goldhase hat sich seit seiner Einführung in Frankreich im Jahr 2014 zum meistverkauften Osterartikel entwickelt – über sechs Millionen Stück werden heute jährlich verkauft. Er hat die traditionellen Glocken und Hühner mengenmäßig überflügelt, ohne sie aber aus dem Bewusstsein der Franzosen verdrängen zu können. Passend dazu finden Sie hier Oster-Rezepte aus dem Elsass.

Kein Karfreitag als gesetzlicher Feiertag – außer im Elsass

Ein wichtiger Unterschied zu Deutschland: Karfreitag (Vendredi Saint) ist in Frankreich zwar ein christlicher Feiertag, aber kein gesetzlicher. Das bedeutet: Geschäfte, Restaurants und Sehenswürdigkeiten haben am Karfreitag ganz normal geöffnet. Wer also über Ostern zum Shopping nach Paris möchte, findet dort auch am Karfreitag ein volles Programm vor.

Ausnahmen gelten in folgenden Regionen, wo Karfreitag aufgrund historischer Besonderheiten ein gesetzlicher Feiertag ist:

  • Elsass (Bas-Rhin, Haut-Rhin)
  • Département Moselle (Lothringen)
  • Guadeloupe
  • Französisch-Guayana
  • Réunion
  • Martinique

Die Karwoche Tag für Tag

Palmsonntag (Dimanche des Rameaux)

Die Karwoche beginnt mit dem Palmsonntag, dem Dimanche des Rameaux. In den Kirchen werden Zweige gesegnet – da Palmen in Frankreich nicht überall wachsen, kommen oft Buchsbaum, Olivenzweige oder Lorbeer zum Einsatz. Sie erinnern an den Einzug Jesu in Jerusalem.

Gründonnerstag (Jeudi Saint)

Am Gründonnerstag findet traditionell die Cène statt – ein Abendmahl, bei dem Fisch und Gemüse auf den Tisch kommen. In einigen Regionen werden nur grüne Speisen gegessen, als Symbol für Natur und Frühling. Am Abend läuten die Glocken letztmals – und machen sich auf den Weg nach Rom.

Karfreitag (Vendredi Saint)

Ein Tag der Besinnung und des Gedenkens. Während viele Franzosen einen normalen Arbeitstag haben, nehmen Gläubige an Messen und Kreuzwegandachten teil. Ein besonderes Highlight sind die Osterprozessionen, die besonders im Süden Frankreichs und auf Korsika eine jahrhundertealte Tradition haben.

Berühmte Karfreitagsprozessionen in Frankreich

Perpignan: La Sanch – seit über 600 Jahren

Die bekannteste Karfreitagsprozession auf dem französischen Festland findet in Perpignan statt. Die Confrèrie de la Sanch (Bruderschaft des Heiligen Blutes) führt diese Prozession bereits seit dem 15. Jahrhundert durch – sie gilt als älteste Prozession ihrer Art in Südfrankreich. Vermummte Büßer in roten und schwarzen Gewändern ziehen in feierlichem Schweigen durch die Gassen der Altstadt. Der Anblick versetzt Besucher buchstäblich ins Mittelalter.

Korsika: Spektakuläre Bußprozessionen

Auf Korsika hat die Ostertradition eine besonders intensive Form entwickelt. Gleich mehrere Orte sind für ihre Prozessionen bekannt:

  • Sartène (U Catenacciu): Ein anonymer Büßer trägt mit Kapuze und klirrenden Ketten ein schweres Holzkreuz durch die engen Gassen der Altstadt – einer der eindrucksvollsten religiösen Aufzüge Frankreichs
  • Calvi (A Cerca): Gründonnerstags- und Karfreitagsprozession, bei der die Statue der schwarzgekleideten Jungfrau Maria durch die Stadt getragen wird
  • Erbalunga: Gleich zwei Prozessionen am Karfreitag – morgens eine sieben Kilometer lange Kreuzwegprozession, abends ein spiralförmiger Umzug mit Fackeln und Kapuzengewändern

Ostersonntag: Eiersuche und Festessen

Der Ostersonntag (Dimanche de Pâques) ist ein gesetzlicher Feiertag und der Höhepunkt des Festes. Der Tag beginnt oft mit einem festlichen Frühstück – in manchen Regionen gibt es dabei traditionelle Osterbrote:

  • La Pogne (Drôme/Romans-sur-Isère): eine saftige Brioche mit Orangenblüte
  • Le Gâteau Battu (Picardie): ein hoher, butterreicher Briochekuchen

Dann beginnt die Chasse aux œufs – die Ostereiersuche. Eltern verstecken Schokoladeneier, Glocken und Süßigkeiten im Garten, auf dem Balkon oder in Parks. Landesweit berühmt ist die Ostereiersuche im Schloss Vaux-le-Vicomte bei Paris – sie gilt als größte des Landes.

Am Mittag versammelt sich die Familie zum großen Osteressen. Im Mittelpunkt steht traditionell das Gigot d'Agneau Pascal – die Lammkeule. Mit Knoblauch gespickt, mit Rosmarin aromatisiert und im Ofen langsam gegart, wird sie unwiderstehlich zart. Als Beilage kommen Gratin Dauphinois oder Herzoginkartoffeln, grüne Bohnen oder Spargel auf den Tisch. Zum Abschluss: eine Käseplatte und ein Dessert mit Erdbeeren – denn die haben jetzt Saison.

Regionale Ostertraditionen und Süßigkeiten

Frankreich wäre nicht Frankreich ohne regionale Besonderheiten:

  • Elsass – Das Osterlammele: Ein luftiger Biskuitkuchen in Lammform, gebacken in einer speziellen Eisenform und mit Puderzucker bestäubt. Einer der schönsten kulinarischen Osterbräuche Frankreichs.
  • Bessières (Südwest-Frankreich) – Das Riesenomelett: Am Ostermontag braten die Mitglieder der Confrérie mondiale des chevaliers de l'omelette géante in einer vier Meter großen Pfanne ein Omelett aus 15.000 Eiern – kostenlos für alle Besucher.
  • Charente – Les Cornuelles: Dreieckige Mürbeteiggebäcke mit einem Loch in der Mitte, die früher an gesegnete Palmzweige gehängt wurden.
  • Südfrankreich – La Mouna: Eine kuppelförmige Osterbrioche, die ihren Ursprung in Algerien hat und besonders im Midi mit dem Osterpicknick verbunden ist.

Ostermontag in Frankreich

Der Ostermontag (Lundi de Pâques) ist in Frankreich ein gesetzlicher Feiertag. Interessant: Napoleon Bonaparte ist dafür verantwortlich – nach dem Konkordat zwischen ihm und Papst Pius VII. wurde der Ostermontag 1801 offiziell als Feiertag eingeführt.

Anders als in Deutschland nutzen viele Franzosen diesen Tag für Ausflüge und entspannte Zeit mit der Kernfamilie oder Freunden. Besonders in Südfrankreich, wo es zu dieser Jahreszeit schon warm ist, findet man viele Menschen auf Wanderungen, in Parks oder in Restaurants.

Wo lohnt sich eine Frankreichreise zu Ostern?

Ostern ist eine der schönsten Reisezeiten in Frankreich – das Wetter ist mild, die Natur erwacht und die touristischen Massen der Hochsaison bleiben noch aus. Besonders empfehlenswert:

  • Elsass: Osterlammele kaufen, bemalte Eier in den Dörfern bewundern, Ostermärkte in Riquewihr und Kaysersberg besuchen
  • Côte d'Azur: Schon angenehm warm, Mimosenfestival noch in Erinnerung, Strandpromenaden fast menschenleer
  • Korsika: Die eindrucksvollsten Osterprozessionen Frankreichs in Sartène, Calvi und Erbalunga
  • Paris: Ostereiersuche unter dem Eiffelturm, Shopping am Karfreitag, Chocolatiers mit spektakulären Schaufenstern
  • Provence: Frühlingsblüten, Märkte mit regionalen Produkten, Lammkeule-Saison

Tipp für Camping-Reisende:Viele Campingplätze in Frankreich öffnen erst zu Ostern ihre Saison. Wer mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen nach Frankreich reist, sollte Ostern als offiziellen Startschuss der Camping-Saison einplanen – und Plätze rechtzeitig reservieren, da das erste Wochenende der Saison schnell ausgebucht ist.

Häufige Fragen zu Ostern in Frankreich

Wie sagt man „Frohe Ostern" auf Französisch?
Joyeuses Pâques! – das ist der klassische Ostergruß in Frankreich. Alternativ sagt man auch Bonnes Pâques, aber Joyeuses Pâques ist die gebräuchlichste Form. Auf Korsisch lautet der Gruß Bona Pasqua.
Wird Ostern in Frankreich gefeiert?
Ja, Ostern (Pâques) ist nach Weihnachten das wichtigste christliche Fest in Frankreich. Es wird mit Familienfeiern, Ostereiersuche und traditionellen Gerichten wie der Lammkeule gefeiert. Ostersonntag und Ostermontag sind gesetzliche Feiertage.
Haben die Geschäfte in Frankreich an Ostern geöffnet?
Das hängt vom jeweiligen Tag ab: Am Karfreitag sind Geschäfte in fast ganz Frankreich normal geöffnet (Ausnahme: Elsass, Moselle und Überseegebiete). Am Ostersonntag und Ostermontag sind beide gesetzliche Feiertage – viele Geschäfte sind geschlossen, besonders außerhalb der Großstädte. In Paris und anderen Metropolen haben jedoch zahlreiche Geschäfte auch an Feiertagen geöffnet. Supermärkte schließen oft früher als gewöhnlich.
Ist Ostermontag in Frankreich ein gesetzlicher Feiertag?
Ja, der Ostermontag (Lundi de Pâques) ist in Frankreich ein gesetzlicher Feiertag. Schulen, Banken und die meisten Behörden sind geschlossen. Viele Restaurants und Freizeiteinrichtungen haben dagegen geöffnet, da der Tag traditionell für Ausflüge genutzt wird.
Ist Karfreitag in Frankreich ein Feiertag?
Nein – mit Ausnahmen. In den meisten Teilen Frankreichs ist Karfreitag (Vendredi Saint) kein gesetzlicher Feiertag. Ausnahmen gelten im Elsass (Bas-Rhin, Haut-Rhin), im lothringischen Département Moselle sowie in den Überseegebieten Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana und Réunion.
Wie heißt Ostern auf Französisch?
Ostern heißt auf Französisch Pâques – der Begriff leitet sich vom hebräischen Pesach ab. Das Wort wird ausgesprochen wie „Pahk". „Frohe Ostern" lautet Joyeuses Pâques.
Wer bringt in Frankreich die Ostereier?
In Frankreich bringt traditionell nicht der Osterhase, sondern die Osterglocken (cloches de Pâques) die Süßigkeiten. Die Legende besagt, dass die Kirchenglocken am Gründonnerstag nach Rom fliegen und auf dem Rückweg Schokoladeneier in die Gärten fallen lassen. Erst wenn die Glocken am Ostersonntag wieder läuten, beginnt die Suche.
Was isst man zu Ostern in Frankreich?
Das traditionelle Osteressen in Frankreich ist das Gigot d'Agneau – eine langsam im Ofen gegarte Lammkeule, mit Knoblauch gespickt und mit Rosmarin gewürzt. Dazu kommen Gratin Dauphinois oder Kartoffeln und frisches Frühlingsgemüse. Zum Nachtisch gibt es Erdbeerdesserts und natürlich jede Menge Schokolade.
Was essen Kinder zu Ostern in Frankreich?
Kinder freuen sich besonders auf die Schokoladensüßigkeiten, die die „Osterglocken" bringen: Schokoladeneier, Glocken mit Flügeln, Osterküken und Fischfiguren (fritures de Pâques). Im Elsass gibt es das besondere Osterlammele – einen luftigen Biskuitkuchen in Lammform mit Puderzucker.
Wie warm ist es an Ostern in Frankreich?
Das hängt von der Region ab. Im Süden Frankreichs und an der Côte d'Azur sind bereits 16–20 °C möglich. In Paris liegt die Temperatur zu Ostern meist zwischen 10 und 14 °C. Im Elsass und in den Alpen kann es noch kühler sein. Grundsätzlich ist Ostern in Frankreich bereits frühlingshaft, aber Regenschauer sind möglich – eine leichte Jacke ist empfehlenswert.
Warum fliegen in Frankreich die Glocken zu Ostern?
Die Glocken in Frankreich „fliegen" an Ostern nach einer alten Volkslegende nach Rom, um sich vom Papst segnen zu lassen. Tatsächlich schweigen die Kirchenglocken ab Gründonnerstag bis zum Ostersonntag als Zeichen der Trauer um den gekreuzigten Jesus Christus. Den Kindern wird erklärt, dass sie diese Zeit nutzen, um dem Papst einen Besuch abzustatten – und auf dem Rückweg Schokolade über ganz Frankreich verstreuen.

Hinweis: Alle Angaben zu gesetzlichen Feiertagen entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt der Redaktion. Regionale Regelungen können sich ändern.