Paris Reiseführer

Paris Reiseführer

In 13 ausgewählten Spaziergängen präsentiert das Buch neben dem klassischen Sightseeing-Programm mit Eiffelturm auch die modernen Seiten...


Jetzt Kaufen

Ein Fahrrad in Paris ausleihen

Tags:
Für ein paar Cent mit dem Fahrrad durch ganz Paris! Tipps für die eigene Fahrradtour in Paris und wie man am besten sparen kann.
Fahrrad ausleihen in Paris

Wer hätte gedacht, dass die Autostadt Paris einmal zu einer Fahrradstadt werden würde? Das Fahrradverleihsystem Vélib’ wurde im Juli 2007 in Paris in Betrieb genommen und ist seitdem ein großer Erfolg und gehört inzwischen zu Paris wie die Metro.

„Vélib’ ist klasse”, sagt meine Pariser Kollegin. „Man kommt einfach schnell für wenig Geld irgendwo hin.” Da stutze ich. „Für wenig Geld?”, frage ich kritisch. Denn neulich erzählte mir eine Freundin, sie habe über 30 Euro für einen Tag bezahlt. Marie schüttelt den Kopf:  „Der Trick ist: Du musst einfach jede halbe Stunde das Rad wechseln!”

Wie kann man Fahrradfahren für nur ein paar Cent?

Das will ich ausprobieren. Also mache ich heute Paris mit dem Rad unsicher. Marie meint, wenn ich die Vélibs oft wechsle, kostet mich ein Tagesticket nur die 1,70 Euro Grundgebühr. Erst die halbe Stunde danach kostet einen Euro, die darauf zwei, alle weiteren vier Euro. Ich versuche also die Vélib-Wechsel-Tour.

Das erste Problem: An der Station in der Nähe des Canal Saint-Martin, an der ich ein Rad leihen will, sind alle weg! Bei der nächsten steht nur eines – und das hat einen Platten. Aber am Bildschirm der Buchungsstation (le borne) kann ich nachsehen, wo die nächste Ausleihstelle ist. Und da stehen tatsächlich genügend Fahrräder.

Leere Fahrradständer in Paris

Ich muss mich erst einmal anmelden. Die Station erklärt mir gut, was sie von mir will. Eine Master- oder Visa-Kreditkarte (wer die nicht hat, kann das Ticket auch vorher online buchen). Eine Kaution von 150 Euro, die abgebucht wird, wenn das Rad nicht innerhalb von 24 Stunden an irgendeiner Station zurückgebracht wurde. Ich werde informiert, dass ich mein Rad nach Rückgabe wieder gut in den Ständer reinschieben muss. Wenn es zweimal piept und das Licht grün leuchtet, ist das der Fall. Bei Rot und langem Piep nicht.

Dann muss ich mir eine Geheimzahl ausdenken und eintippen. Zwischen allen Schritten immer die grüne Bestätigungstaste »V« für valider drücken. Und dann spuckt die Station ein Ticket mit einer Nummer drauf aus. Ich will ein Rad ziehen, rüttle rum und ziehe – nix geht. Eine Französin fragt, ob sie helfen kann. »Beim ersten Mal ist es ein wenig kompliziert, aber dann geht es ganz leicht«, sagt sie.

Ich muss einfach auf der Station noch mal meine Tageskartennummer eingeben, Geheimzahl und dann den Wunsch »Fahrrad entleihen«. Dann kann ich die Nummer meines Wunschrads eingeben (die sind am Ständer vermerkt) und ich habe dann 60 Sekunden Zeit, am Ständer den Knopf zu drücken und das Rad abzuziehen. Voilà! Und es gibt sogar einen Fahrradkorb.

Ich schaue auf meine Uhr. 30 Minuten gratis! Yippieeee!

Ich radle an der Place de la République vorbei. Hm, viel Verkehr. Ein Bus schneidet mich und ich muss bremsen – oje, die Bremsen sind miserabel. Ich fahre in Richtung Marais, weil ich dort noch etwas besorgen muss. Ab und zu gibt es einen Radweg. Dann fahren die Radfahrer wieder zusammen mit den Bussen auf der Busspur. Neben mir sausen andere Fahrräder vorbei. Ein Skater hängt sich kurz hinten an einen Bus ran und lässt sich ziehen. Am Anfang macht mich auf dem Boulevard der viele Verkehr noch etwas nervös, aber ich gewöhne mich daran. Hinein in den Strom und einfach den anderen hinterher!

Blick auf die Uhr: Mir bleiben noch zehn Minuten, dann ist meine Gratis-Halbestunde abgelaufen. Im Marais ist ein Filmdreh. Mehrere Laster blockieren die Straße, auf dem Gehweg werden Scheinwerfer hin- und hergetragen. Die Uhr tickt. Ich weiß, dass in der Nähe der Rue des Rosiers eine Fahrradstation ist. Noch fünf Minuten. Ich bin da. Aber zwei Jungs schieben gerade ihre Vélibs in die letzten beiden freien Plätze. Vorhin: alles leer, jetzt: alles voll! Noch drei Minuten. Ich flitze durchs Marais zur Kirche St. Paul, da muss es Vélibs geben. Ja! Ich schiebe das Rad in den Schlitz. Grünes Licht. Bingo! 27 Minuten. Jetzt brauche ich erst mal einen Kaffee.

Schöne Sache, mit dem Rad durch Paris zu fahren. Man lernt die Stadt, die man oft nur im Metro-Untergrund erfahren hat, neu kennen. Sieht, dass viele Orte gar nicht weit voneinander entfernt sind. Und vor allem: Man fühlt sich wie ein echter Pariser.

Nach dem Kaffee hole ich mir ein neues Fahrrad. Jetzt klappt das schon viel schneller. Ich stelle meinen Sitz auf die richtige Höhe ein und fahre los. Lasse mich einfach ein wenig von Radwegen leiten oder von grünen Ampelphasen. Umradle auf einem Fahrradweg den Port d’Arsenal. Fahre rüber zum Jardin des Plantes. Komme an zahlreichen Autolib’-Stationen vorbei, bei denen man nach dem gleichen Prinzip auch Autos leihen kann. Merke, dass die Rush-Hour losgeht. Dann steige ich lieber wieder um aufs Fußgängerdasein.

Zwischen Erfolg und Vandalismus

Aus den Wörtern Fahrrad (vélo) und Freiheit (liberté) wurde Vélib’. 2007 führte die Pariser Stadtverwaltung dieses öffentliche Fahrradverleihsystem ein. Heute nutzen es täglich bis zu 150.000 Menschen. Anzugträger, die zur Arbeit fahren. Studenten, die zur Uni wollen. Partygänger, deren letzte Metro längst weg ist. Und Touristen, die die Stadt erfahren wollen. Die Deutschen sind dabei an erster Stelle beim Ausleihen.

Vélib’ Fahrrad ausleihen

Sie alle sind auf den mausgrauen, unverwechselbaren Rädern unterwegs. 18.000 Fahrräder sind durchschnittlich in Paris an den Stationen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. 35 Millionen Mal wurden sie 2013 ausgeliehen, fünf Jahre zuvor waren es nur 28 Millionen. 270.000 Pariser haben sogar ein Jahresabo, das sind zehn Prozent der Stadtbevölkerung.

Im Gegensatz zu anderen Städten hat der Pariser Betreiber JCDecaux, bekannt durch sein Geschäft mit der Außenwerbung, ein großes Problem: Vandalismus. 2013 wurden 8.000 Vélibs mutwillig so beschädigt, dass sie nicht einsetzbar waren. Die Randalierer und Diebe reißen die Räder oft brutal aus der Halterung. Insgesamt 1.300 Mal erstattete der Betreiber Anzeige. Weil in Paris viele der Leihstationen in Nebenstraßen seien, gäbe es hier weit mehr Vandalismus als etwa bei den Leihfahrrädern in London, heißt es. 1.200 Räder landen täglich bei den Mechanikern in den Werkstätten, von denen sich einige sogar auf Schiffen auf der Seine befinden, um die reparierten Räder schnell wieder an zentrale Vélib’-Stationen schippern zu können. Bei Herstellungskosten von 600 Euro pro Rad verursacht der Vandalismus dem Konzern jährlich 5 Millionen Euro Kosten. Minderjährige, die beim Randalieren erwischt werden, müssen in den Ferien zwei Tage in einer Reparaturwerkstatt mitarbeiten, wenn die Eltern ihre Zustimmung geben.

Tipps für die eigene Fahrradtour

Gibt es mehrere Räder an einer Station, wird man gefragt, welches man ausleihen will. Man sollte also bereits vor dem Buchen genau schauen, welches Rad in gutem Zustand ist. Oft sind die Reifen platt, der Sitz lässt sich nicht verstellen oder die Speichen sind kaputt getreten. Ist der Sitz verkehrt herum, ist das ein Zeichen des Vorgängers, dass das Rad nicht in Ordnung ist.

Am Anfang langsam machen und sich an das Vélib’ gewöhnen, auch an die Gangschaltung. Bremsen testen!

Auch wenn es inzwischen viele Radler in Paris gibt: Vorsichtig und vorausschauend fahren. Viele Autofahrer sind im Autoliebhaberland Frankreich Radfahrer noch nicht gewöhnt. Und Fußgänger übrigens auch nicht: Viele überqueren einfach die Straße, ohne sich umzudrehen, wenn sie kein Autogeräusch hören.

Wenn das Rad wieder im Ständer eingerastet ist, lassen Sie sich an der Station eine Empfangsbestätigung ausdrucken. Das geht nur, wenn das Rad richtig eingerastet ist. Sollte irgendwas technisch schieflaufen, ist sie im Fall einer Beanstandung der einzige Nachweis dafür, dass man das Rad wirklich abgegeben hat.

Auch für Kinder zwischen zwei und acht Jahren gibt es inzwischen kleine Fahrräder in vier verschiedenen Größen (beim Bois de Boulogne, Bois de Vincennes, bei den Berges de Seine, beim Canal de l’Ourcq). Mit Helmangebot. Elektro-Vélibs sind in Planung.

Eine Alternative zum Vélib’ sind geführte Fahrradtouren in Paris mit einem deutschsprachigen Fremdenführer. Dabei sind im Preis ein Fahrrad, Fahrradhelm und ein Korb enthalten, vor allem kann man sich sicher sein, dass die Fahrräder intakt sind.

Dieser Tipp stammt aus dem Buch "Fettnäpfchenführer Paris". Viele weitere Ideen, wie Sie die Seine-Metropole hautnah erleben können, erfahren Sie in dem praktischen Reiseknigge aus der Feder von Michael Neubauer.

Fehler
Beim Anzeigen des Portlets ist es zu einem Fehler gekommen.